Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933

  • Oskar Scherzer aus Wien: Mit 20 beschrieb er für das Harvard-Preisausschreiben sein Leben unter den Nazis, mit 80 haben wir ihn wieder besucht

1940 richtete die Harvard-Universität ein wissenschaftliches Preisausschreiben "an alle, die Deutschland vor und nach Hitler gut kennen". In Zeitungen, auf Flugblättern und Plakaten wurden Emigranten aufgerufen, ihr "Leben in Deutschland vor und nach 1933" zu beschreiben. Es war, als hätten sich Schleusen geöffnet. Endlich konnten die vor den Nazi Geflüchteten erzählen, was sie erdulden mußten, wie sie aus der Gesellschaft und aus ihrem Heimatland herausgedrängt wurden. 250 Manuskripte mit bis zu 400 Seiten wurden eingereicht. Heute forschen an der Universität Oldenburg Wissenschaftler um Professor Detlef Garz zu diesem Preisausschreiben. Wir stellen vier Teilnehmer an dem Preisausschreiben und ihre Manuskripte vor:
- Eva Wysbar, Dramaturgin aus Berlin, schrieb ihren Bericht in Los Angeles,
- Dr. Albert Dreyfuß, Arzt aus Fürth, reichte seinen Text aus Jerusalem ein,
- Oscar Scherzer, Abiturient aus Wien, setzte sich in New York an die Schreibmaschine,
- Dr. Heinrich Kromayer, einst Berufsschullehrer in Berlin, erfuhr in New Jersey von dem Preisausschreiben.
So wie Sebastian Haffner zur gleichen Zeit in London, so sezieren auch diese Menschen schon kurz nach Kriegsbeginn das Hitler-Regime und seine Mitläufer. Ihre Beiträge strafen all diejenigen Lügen, die bis heute behaupten, man habe damals, 1940, noch gar nichts wissen können. Wir haben dem Leben dieser Menschen nachgespürt und mit ihnen oder ihren Kindern gesprochen: Wie haben sie die Kränkungen verarbeitet, wie ist ihr Leben weiter verlaufen?

Buchtipps: Manuskripte des Preisausschreibens, die bereits veröffentlicht wurden

Oscar Scherzer: Under Swastika and the French Flag (nur in Amerika erschienen) $ 14,50

Eva Wysbar: Hinaus aus Deutschland, irgendwohin, herausgegeben von Detlef Garz, Libelle Verlag Lengwil (Schweiz), € 17,40

Käthe Vordtriede: Es ist mir noch wie ein Traum, daß mir diese abenteuerliche Flucht gelang, herausgegeben von Manfred Bosch, Libelle Verlag Lengwil (Schweiz), € 22,50

Käthe Vordtriede: Es gibt Zeiten, in denen man welkt, herausgegeben von Detlef Garz, Libelle Verlag Lengwil (Schweiz), € 19,95

Max Hirschberg: Jude und Demokrat. Erinnerungen eines Münchner Rechtsanwalts 1883 bis 1939, Oldenbourg Verlag München, € 49,80

Karl Löwith: Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933 – Ein Bericht, Metzler Verlag Stuttgart, € 19,90

Außerdem veröffentlicht:

Käthe Blumenthal: Der dreifache Fluch – Jüdin, Intellektuelle, Sozialistin, Frankfurt 1981

Wolfgang Benz (Hg.): Das Tagebuch der Hertha Nathorff

Eine Produktion von

SWR 2

Ein Film von

Sigrid Faltin

Jahr

2002

Länge

60 Min.

Team

  • Redaktion: Paul Assall (SWR 2)

„Wir machen Dokumentarfilme. Uns interessiert das wahre Leben.“
Sigrid Faltin, white pepper Film

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